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Nur bunt können viele, Zuelch kann mehr

Es gibt etliche Unternehmen, die können nur billig, andere wiederum können nur bunt. "Wir können mehr", versichert Dipl.-Kaufmann Hanns-Eckard Zülch Chef der Zuelch Industrial Coatings GmbH in Lerbach, mit gesundem Selbstwusstsein. Zwar dreht sich in seiner Firma seit etwas mehr als 40 Jahren auch alles um Farben. Doch dem 50-jährigen Geschäftsführer ist es im Grunde zunächst ziemlich egal, ob die "Tunke" rot, blau, weiß oder gelb ausschaut. "Wichtig ist die Funktion", sagt Zülch. Er und sein 30-köpfiges Team produzieren moderene Hochleistungsfarben. "HighTech in Dosen" sozusagen.

Lacke bzw. Beschichtungen, die- je nach Verwendungszweck -mal wetterfest sein müssen, dann wieder hitzebeständig und säureresistent, elastisch oder auch hart, kratzfest und alterungsbeständig. Wobei dieses genannte Anforderungsprofil noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. "Wir sehen uns dabei als Nischenanbieter, der sich mit technologiebeladenen Problemlösungen befasst", erklärt Hanns-Eckard Zülch, dem die "Farbe im Blut" schon vom Großvater mitgegeben wurde.

Wenn man im Hause Zuelch für die Zukunft schwarz sieht,dann ist dies paradoxerweise durchaus ein positiver Aspekt. "Wenn vom Lack am Auto gesprochen wird, dann geht es immer nur um die glänzende Karosse. Dabei werden viele Fahrzeugteile aus Metall oder Kunststoff zusätzlich noch lackiert", gibt Hanns-Eckard Zülch dem Laien ein wenig technische Nachhilfe. Und befindet sich damit auch schon in einer der angesprochenen Nischen.

Einfach lackhaft

Der schwarze - und das ist eben das Neue - auch wasserlösliche Korrosionsschutz für die mehrere Kilo schweren Lkw-Blattfedern wurde nämlich von den Zuelchschen Farbexperten in der firmeneigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung ausgetüftelt. Ebenso der richtige Mix für Pkw-Gelenkwellenbeschichtungen. Je weiter Zülch ausholt, umso breiter werden auch die Nischen. Schließlich profitiert offenbar die ganze Autoindustrie von dem aus dem engen Lerbachtal aufsteigenden Erfindungsgeist.

Dort mischt man nicht nur Farben zusammen,die möglichst lange halten, sondern es wurde auch ein Verfahren zur einfachen Reinigung der großen Lackierstraßen in den Kfz-Schmieden weiterentwickelt. Den beim Lackierprozess auftretenden Verschmutzungen begegnet Zuelch mit seinem gleichfalls wasserverdünnten Abziehlack, der zuvor auf die Anlagen aufgetragen und später als "Folie" trocken wieder abgezogen wird. Der große Vorteil: Dieses Verfahren ist umweltfreundlich und erspart stundenlanges Schrubben mit womöglich noch aggressiver Abbeize.

Rutschen wir in eine andere Nische: Wer hat sie nicht schon mal bei irgendeinem Gesellschaftsspiel in den Fingern gehabt,die putzigen kleinen Holzfiguren mitstilisiertem Kopf und Körper. Für deren hübsche Farben sorgt zumeist ebenfalls das Haus Zuelch.

Überhaupt ist der Lerbacher Farbenhersteller beim Holzspielzeug gut im Geschäft. Und auch hier waren die Harzer wieder emsig in der Forschung. Sie entwickelten ein im Grunde schon älteres Verfahren, bei dem kleine Holzteile in laufenden Trommeln mit nach Spielzeugnorm ungiftigen Farbenlackiert werden, zur großen industriellen Nutzung fort. Know-how, von dem heute weltweit die Spielzeugproduzenten profitieren. "Wir haben hier einen Marktanteil von 70 Prozent", freut sich Hanns-Eckard Zülch. Irgendwie sei es mit dem "Farbenmachen" so wie beim Kochen, siniert unterdessen Laborleiter Hermann Niemann, während er den Besucher durchseine "Küche" führt: "Es kommt auf die Rezeptur an, das Abfüllen ist dann nur noch Formsache".

Die richtigen Rezepte hat das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten offenbar stets gehabt. Seit der Gründung im Jahr 1959 sei es stets vorangegangen. "Durch die Spezialisierung auf die Lösung von Kundenproblemen und die Entwicklung von Spezialfarben für den industriellen Einsatz haben wir stets neue Kunden gewinnen können. Und mit der hohen Qualität unserer Erzeugnisse haben wir uns in einem hart umkämpften Markt gegenüber großen Wettbewerbern gut behaupten können", zieht der kaufmännische Leiter Werner Böttcher eine zufriedene Zwischenbilanz.

Der Exportanteil steige ständig und liege zurzeit bei mehr als 25 Prozent mit Asien als Kundenschwerpunkt. Und darauf ist der Firmenchef besonders stolz: "In den vergangenen Jahren haben wir stärker als die Branche mit einem Wachstum von jährlich mehr als 10 Prozent expandiert. Im vergangenen Jahr hatten wir ein Rekordergebnis. "Wesentliche Erfolgsfaktoren seien die Qualität und der Umweltschutz. Bei Zuelch wurde ein Managementsystem eingeführt und durch den TÜV-Cert nach internationalen Normen ISO 9001 und ISO 14001 zertifiziert. Durch konsequente Forschungs- und Entwicklungsarbeit solle künftig auch bei "normalen" Industrielackfarben das bisher eingesetzte organische Lösemittel durch Wasser ersetzt werden.

Verlagerung kein Thema

Wegen der immer mehr zunehmenden internationalen Geschäftsverbindungen hat sich das Unternehmen vor wenigen Tagen in die Kapitalgesellschaft "Zuelch Industrial Coatings GmbH" umgewandelt. Mit dem neuen Firmennamen werde auch der Zweck der Firma, die Herstellung von hochwertigen Beschichtungsstoffen (Coatings) für High-Tech-Produkte noch deutlicher gemacht.

Während gerade wieder ein Osteroder Unternehmen dabei ist dicht zu machen, um in Osteuropa billiger zu produzieren (der "Harz Kurier" berichtete), zeigt Hanns-Eckard Zülch Bodenständigkeit. "Wir haben hier sehr qualifizierte und vor allem engagierte Mitarbeiter vor Ort. Für uns ist eine Firmenverlagerung ins Ausland kein Thema."

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